2029 jährt sich die Friedliche Revolution zum 40. Mal – und genau dann soll die Tour de France in Berlin und Mitteldeutschland starten. Katja Meier ist eine Unterstützerin der ersten Stunde. Im Interview erzählt sie, warum der Tourstart für sie weit mehr ist als ein Sportereignis, was das Projekt schon heute in den Regionen bewegt und was 2029 bleiben soll.
Die Tour de France soll nach Deutschland geholt werden. Was war dein erster Gedanke und wie kam es zur Verknüpfung zum Projekt?
Mich hat die Idee von Anfang an begeistert. 2023 haben wir angefangen, darüber nachzudenken, ob es nicht möglich wäre, den Grand Départ nach Sachsen zu holen. Mit dieser Idee sind wir auf den französischen Botschafter zugegangen, haben dort viel Unterstützung erfahren und im September 2024 schließlich einen Brief an die ASO nach Paris geschickt.
Für mich war dabei von Anfang an klar: Das darf nicht nur ein großes Radrennen sein. 2029 jährt sich die Friedliche Revolution zum 40. Mal. Sachsen war mit Plauen, Leipzig, Dresden und vielen weiteren Orten einer ihrer zentralen Schauplätze. Das Fahrrad wiederum steht wie kaum ein anderes Verkehrsmittel für Freiheit, Bewegung und Begegnung. Die Tour de France, 1989, Europa und die deutsch-französische Freundschaft zusammenzubringen – das fand ich damals schon unglaublich reizvoll.
Richtig Fahrt aufgenommen hat das Ganze dann mit der Gründung des Grand Départ Allemagne e.V. im Jahr 2024. Der Verein hat die Bewerbung über Sachsen hinaus weitergedacht, unglaublich viele Menschen und Partner zusammengebracht und sie seitdem mit enormer Energie und Leidenschaft vorangetrieben. Aus unserer ursprünglichen Idee für Sachsen ist so Schritt für Schritt ein viel größeres Gemeinschaftsprojekt für Berlin und Mitteldeutschland geworden. Zu sehen, was der Verein daraus gemacht hat und wie viele Menschen inzwischen an diesem Ziel mitarbeiten, begeistert mich wirklich. Dass wir heute tatsächlich die Chance haben, 2029 die Tour de France hier zu erleben, ist schon ziemlich großartig.
Aus einer Vision könnte Wirklichkeit werden: Die Tour de France startet 2029 in Ostdeutschland. Was würde das für Dich ganz persönlich bedeuten?
Der Tourstart wäre für mich ein echter Gänsehautmoment. Natürlich auch, weil ich die Idee seit 2023 begleite und weiß, wie weit entfernt das alles am Anfang schien.
Aber inzwischen begeistert mich fast noch mehr, was das Projekt schon jetzt auslöst, obwohl noch gar keine Entscheidung gefallen ist. Menschen schreiben mir, bedanken sich für die Initiative, schicken Ideen und fragen, wie sie mitmachen können. Vereine, Kommunen und Einzelne überlegen, was ihre Region beitragen könnte.
Welche Begeisterung Radsport auslösen kann, war beim European Peace Ride dieses Jahr zu erleben, als unglaublich viele Menschen die Fahrerinnen und Fahrer an der legendären Steilen Wand in Meerane anfeuerten. Und dann stelle man sich einmal vor, durch unsere Region würde tatsächlich das Peloton der Tour de France fahren.
Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen große Lust darauf haben, wieder gemeinsam an etwas zu arbeiten, sich einzubringen, auf ihre Region stolz zu sein und anderen zu zeigen, was sie zu bieten hat. Genau das begeistert mich an diesem Projekt genauso sehr wie die Tour selbst.
Welche Bedeutung haben solche Projekte und Initiativen für die Regionen und vor allem für die Menschen vor Ort?
Ich glaube, wir unterschätzen manchmal, welche Kraft ein gemeinsames positives Ziel entwickeln kann. Gerade in einer Zeit, in der sehr viel darüber gesprochen wird, was nicht funktioniert, was verloren geht oder worüber wir uns streiten, kann es unglaublich gut tun, gemeinsam auf etwas hinzuarbeiten.
Bei der Übergabe des BidBooks hat Christian Prudhomme sehr eindrücklich davon erzählt, was es mit Orten und Menschen macht, wenn die Tour kommt: Plötzlich steht ein Ort im Mittelpunkt, Menschen kommen zusammen und zeigen, was ihre Region besonders macht.
Eine aktuelle Studie zur Tour de France zeigt, was diese Aufmerksamkeit bewirken kann. Die Tour verschafft Orten Sichtbarkeit und Anerkennung und kann die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat stärken. Gleichzeitig geht in Kommunen entlang der Strecke die Unterstützung für rechtsextreme Parteien messbar zurück, besonders in ländlichen Regionen und dort, wo die extreme Rechte zuvor stark war. Orte, die sich sonst übersehen fühlen, werden plötzlich sichtbar und als wertgeschätzter Teil einer gemeinsamen Geschichte wahrgenommen.
Das finde ich mit Blick auf Ostdeutschland ausgesprochen spannend. Natürlich ersetzt ein Sportereignis keine gute ÖPNV-Anbindung oder Wirtschafts- und Sozialpolitik. Aber die Tour kann etwas auslösen. Plötzlich schaut die Welt auf unsere Region und auf all das, was wir zu zeigen haben – unsere Landschaften und Städte, Kultur und Industriegeschichte, unsere Radsporttradition und das, was die Menschen hier seit 1989 aufgebaut haben. Entscheidend ist für mich, dass die Menschen dabei nicht nur zuschauen, sondern selbst Teil dieses gemeinsamen Projekts werden. Genau dafür ist das geplante Rahmenprogramm so wichtig und entscheidend.
2029 jährt sich die Friedliche Revolution zum 40. Mal. Warum ist es wichtig, solche Jubiläen und Anlässe in den Fokus zu rücken?
Weil Erinnerung lebendig sein muss. Menschen in Plauen, Leipzig, Dresden und vielen anderen Orten haben 1989 Mut bewiesen, ihre Angst überwunden und für Freiheit und Demokratie gekämpft. Sie haben damit nicht nur Deutschland, sondern auch Europa verändert.
2029 bietet die Chance, diese Geschichte einer neuen Generation zu erzählen und sie gleichzeitig mit der Gegenwart zu verbinden. Deshalb finde ich die Verbindung mit der Tour de France so überzeugend. Ein französisches Sportereignis, das Menschen aus aller Welt verbindet, startet 40 Jahre nach der Friedlichen Revolution in einer Region, die damals eine Grenze zwischen Ost und West überwunden hat.
Ein Rennen allein würde diesem Anlass aber nicht gerecht. Mit Jugendbegegnungen, Kultur- und Demokratieprojekten, deutsch-französischem Austausch und Breitensport wollen wir Menschen zusammenbringen und die Geschichte von 1989 erlebbar machen. Dann erinnern wir uns nicht nur an 1989, sondern fragen gemeinsam mit einer neuen Generation: Was bedeuten Freiheit, Demokratie und Europa heute?
Und dieses Jubiläum können wir nun einmal nicht verschieben. Also muss es 2029 klappen. 😉
Die Gastgeberregion verfügt über eine große Radsporttradition, lebendige Vereine und viele engagierte Menschen. Welche Chancen siehst Du, diese Strukturen durch ein solches Ereignis nachhaltig zu stärken?
Die große Chance liegt für mich darin, nicht drei Tage Tour de France zu feiern und danach wieder zur Tagesordnung überzugehen. Der Weg bis 2029 ist mindestens genauso wichtig wie das Rennen selbst.
Wir haben in Sachsen und Ostdeutschland eine großartige Radsportgeschichte – von der Friedensfahrt über traditionsreiche Vereine und Orte bis zum heutigen European Peace Ride. Gleichzeitig gibt es überall Menschen, die Rennen organisieren, Nachwuchsarbeit leisten, Touren anbieten oder einfach mit Begeisterung Rad fahren und ihre Kommune fahrradfreundlicher machen wollen.
Genau diese Strukturen sollten wir bis 2029 stärken und miteinander verbinden. Denkbar sind beispielsweise ein Youth Peloton, deutsch-französische Jugendbegegnungen, Schulprojekte, Breitensportveranstaltungen, gemeinsame Touren, Reparaturcafés, inklusive Radangebote oder Projekte zur Geschichte der Friedensfahrt. Kommunen, Vereine und Verbände, die Deutsche Sportjugend, das Deutsch-Französische Jugendwerk, vom ADFC bis zum ADAC können dabei ganz unterschiedliche Beiträge leisten.
Mein Wunsch wäre, dass 2029 nicht nur Profis kommen, sondern in den Jahren davor überall Menschen sagen: Das ist auch unser Grand Départ und wir machen mit.
Die Tour de France steht für internationalen Spitzensport. Gleichzeitig geht es beim Fahrrad auch um Alltagsmobilität, Klimaschutz und Lebensqualität. Wie können beide Welten voneinander profitieren?
Da liegt für mich eines der größten Potenziale des Grand Départ. Die Tour kann Millionen Menschen für das Fahrrad begeistern. Aber diese Begeisterung muss anschließend auch im Alltag eine Entsprechung finden.
Sachsen hat beim Radverkehr enormes Potenzial, aber unsere Infrastruktur bildet dieses Potenzial noch lange nicht ab. Viele Menschen würden gern häufiger mit dem Rad fahren, tun es aber nicht, weil ihnen sichere und durchgängige Radwege fehlen und sie sich im Straßenverkehr schlicht nicht sicher fühlen. Gerade für Kinder, ältere Menschen oder Menschen, die nicht täglich Rad fahren, ist das entscheidend.
Um das Radfahren attraktiver zu machen, sind nicht nur diejenigen entscheidend, die ohnehin bei jedem Wetter und auf fast jeder Straße aufs Rad steigen. Viel entscheidender ist die große Gruppe der Menschen, die grundsätzlich gern Rad fahren , dafür aber eine sichere und komfortable Infrastruktur brauchen.
Deshalb gehören Begeisterung für den Radsport und Investitionen in den Alltagsradverkehr für mich zusammen. Sichere Kreuzungen, durchgängige Radwege, gute Verbindungen zwischen den Orten und eine Verkehrsplanung, bei der sich auch ein zwölfjähriges Kind oder eine 70-Jährige sicher aufs Rad setzen können. Das wäre ein echtes Vermächtnis eines Grand Départ.
Die schönste Wirkung der Tour wäre doch, wenn Hunderttausende Menschen 2029 am Straßenrand stehen, sich vom Radsport begeistern lassen und wir gleichzeitig dafür sorgen, dass mehr Menschen anschließend auch im Alltag sicher Rad fahren können, dann profitieren Spitzensport und Alltagsmobilität tatsächlich voneinander.
Stellen wir uns vor, wir blicken im Herbst 2029 auf einen erfolgreichen Grand Départ zurück. Was sollte aus deiner Sicht in der Region geblieben sein – über die Erinnerungen an ein großes Sportereignis hinaus?
Ich wünsche mir Erinnerungen an ein riesiges Fest, volle Straßen und Bilder aus Sachsen und Ostdeutschland, die um die Welt gegangen sind.
Aber wenn wir im Herbst 2029 zurückblicken, sollte viel mehr geblieben sein: bessere Radwege und mehr Verkehrssicherheit. Gestärkte Vereine und neue Angebote für Kinder und Jugendliche. Deutsch-französische Freundschaften, die über das Tour-Wochenende hinaus bestehen. Vielleicht neue Partnerschaften zwischen Schulen, Vereinen und Kommunen. Und Menschen, die durch dieses Projekt überhaupt erst angefangen haben, sich vor Ort einzubringen.
Am schönsten fände es, wenn etwas von diesem Gefühl bleibe, das ich gerade schon wahrnehme: Wir können gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Wir können stolz auf unsere Region sein, ohne uns abzuschotten. Und wir können anderen zeigen, was für ein großartiger, vielfältiger und europäischer Teil Deutschlands, Sachsen und Ostdeutschland sind. Denn regionale Verbundenheit muss nichts Ausgrenzendes haben. Er kann aus Offenheit, Begegnung und Gefühl entstehen, gesehen und wertgeschätzt zu werden.
Wenn davon etwas bleibt und hoffentlich auch noch einige neue Radwege, dann wäre der Grand Départ tatsächlich weit mehr gewesen als ein paar Tage Tour de France.
Vielen Dank für das Gespräch!
Am 20. September 2026 ab 12 Uhr laden wir euch zu unserem Vereinsfest des Grand Départ Allemagne e.V. in den Felsenkeller Leipzig ein. Unser Fest findet im Rahmen des Herbstfestes im Felsenkeller Biergarten statt – mitten in Plagwitz.
Für uns ist der Tag vor allem eine Gelegenheit, mit euch ins Gespräch zu kommen. Wir möchten zeigen, woran wir aktuell arbeiten, wo unsere Bewerbung um den Grand Départ der Tour de France in Mitteldeutschland und Berlin steht und warum dieses Projekt weit über den Radsport hinausgeht.
Programm für kleine und große Radsportfans
Auch für die jüngsten Gäste ist einiges vorbereitet. Beim Kinderschminken können sich die Kleinen kreativ austoben. Außerdem veranstalten wir ein Geschicklichkeitsrennen für Kinder von 1 bis 8 Jahren. Ob Laufrad oder Fahrrad: Beides ist willkommen. Das eigene Rad oder Laufrad bitte einfach mitbringen.
Austausch zur Bewerbung um den Grand Départ
Die Bewerbung um den Start der Tour de France in Deutschland lebt nicht nur von politischen Entscheidungen und großen Konzepten. Entscheidend ist auch die Unterstützung vor Ort – von Vereinen, Ehrenamtlichen, Radsportfans und allen Menschen, die Lust auf ein internationales Sportereignis in unserer Region haben.
Deshalb wollen wir beim Vereinsfest vor allem zuhören, Fragen beantworten und mit euch darüber sprechen, welche Chancen ein Grand Départ für Leipzig, Mitteldeutschland und Berlin bieten kann.
Herbstfest im Felsenkeller
Unser Vereinsfest ist Teil des zweitägigen Herbstfestes im Felsenkeller Biergarten. Bereits am Samstag, 19. September, steht dort das erste Plagwitzer Gulaschfest auf dem Programm.
Am Sonntag, 20. September, geht es dann mit einem bunten Familientag weiter. Von 12 bis 18 Uhr findet ein Flohmarkt statt, DJs spielen von 12 bis 20 Uhr, und die Lipzkidz sorgen von 13 bis 17 Uhr für Kinderprogramm. Dazu gibt es frische Küche aus der Naumanns Gaststube.
Der Eintritt ist frei.
Alle Infos auf einen Blick
Wann: Sonntag, 20. September 2026, ab 12 Uhr
Wo: Felsenkeller Biergarten Leipzig
Programm bei uns: Kinderschminken, Geschicklichkeitsrennen für Kinder von 1 bis 8 Jahren, Austausch zur Grand-Départ-Bewerbung und kleine Überraschungen
Wichtig: Laufrad oder Fahrrad für das Geschicklichkeitsrennen bitte selbst mitbringen
Eintritt: frei
Wir freuen uns auf einen entspannten Nachmittag und laden hiermit herzlich dazu ein!
Zwei Initiativen mit starken Visionen für die Region.
Grand Départ Allemagne e. V. und der European Peace Ride arbeiten künftig als Kooperationspartner zusammen. Sichtbar wird die Zusammenarbeit bereits beim diesjährigen European Peace Ride: Das offizielle Trikot trägt das Logo von Grand Départ Allemagne auf dem Ärmel.
Mit der Kooperation unterstützt der European Peace Ride die deutsche Bewerbung um den Grand Départ der Tour de France 2029. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Sichtbarkeit, regionale Vernetzung und die Ansprache weiterer Unterstützerinnen und Unterstützer.
Wir unterstützen dieses starke Projekt mit voller Überzeugung, wollen Netzwerke knüpfen und weitere Mitstreitende gewinnen
sagt Kai Winkler von fit4bike
Für Grand Départ Allemagne ist die Kooperation ein weiterer Schritt, um die Bewerbung in Mitteldeutschland breiter zu verankern. Der European Peace Ride bringt dafür ein starkes regionales Netzwerk und einen klaren Bezug zur Radsportgeschichte der Region mit.
Der European Peace Ride knüpft an die Tradition der Friedensfahrt an und übersetzt sie in ein heutiges Format. Die Veranstaltung verbindet Radsport mit europäischer Geschichte, Begegnung und grenzüberschreitendem Austausch.
In diesem Jahr wird die Kooperation erstmals sichtbar: Fahrerinnen und Fahrer des European Peace Ride tragen das GDA-Logo auf dem Trikotärmel. Grand Départ Allemagne wird die Zusammenarbeit kommunikativ begleiten und die Verbindung zwischen European Peace Ride, Friedensfahrt-Tradition und der Bewerbung um den Tourstart 2029 weiter einordnen.
Ein besonderer Dank gilt den Partnern und Unterstützern des European Peace Ride, darunter CookWerk, die SFZ-Gruppe, „So geht sächsisch.“ sowie allen weiteren Beteiligten, die das Format möglich machen.
Über den European Peace Ride
Der European Peace Ride ist ein internationales Radsportformat mit Ursprung in Chemnitz. Er greift den Gedanken der historischen Friedensfahrt auf und führt ihn in die Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen sportliche Begegnung, europäischer Austausch und die Verbindung von Radsport, Kultur und Geschichte.
Der EPR 2026
11. – 13. September 2026
Zittau – Liberec – Dresden – Chemnitz
Stärkung der Verbandsanbindung und internationalen Erfahrung
Wir freuen uns, bekannt zu geben, dass Rudolf Scharping das Projekt Grand Départ Allemagne künftig auch in offizieller Funktion als Mitglied des Vorstands begleitet.
Rudolf Scharping ist dem Verein und der deutschen Grand-Départ-Bewerbung seit deren Beginn eng verbunden. Mit der Übernahme des Vorstandsmandats wird diese langjährige inhaltliche und persönliche Begleitung nun auch formal abgebildet.
„Rudolf ist eine hervorragende Verstärkung für die Bewerbung“
so Dr. Thomas Hofmann.
Klare Anbindung an die Radsportverbände
Rudolf Scharping ist ehemaliger Bundesminister und Ehrenpräsident von German Cycling. Seit vielen Jahren ist er eng mit den Radsportverbänden in ganz Deutschland verbunden und verfügt über umfassende Erfahrung im nationalen wie internationalen Radsport.
Seine Berufung in den Vorstand unterstreicht die institutionelle Verankerung der deutschen Bewerbung im organisierten Radsport. Sie macht deutlich, dass die Bewerbung auf einer breiten föderalen Basis steht und eng mit den bestehenden Verbandsstrukturen verzahnt ist.
Gewachsene Verbindung zur internationalen Tour-Führung
Wie auch die Leipziger Volkszeitung berichtet, besteht zwischen Rudolf Scharping und Tour-Direktor Christian Prudhomme eine langjährige sportpolitische Verbundenheit.
Beide verbindet eine über Jahre gewachsene Nähe zum internationalen Radsport sowie ein gemeinsames Verständnis für die gesellschaftliche und politische Bedeutung großer Sportereignisse. Diese Verbindung ist kein neuer Aspekt der Bewerbung, sondern Teil eines etablierten sportpolitischen Netzwerks, das nun auch strukturell sichtbar wird.
Formale Verantwortung in einer entscheidenden Phase
Die Übernahme des Vorstandsmandats fällt in eine Phase, in der die deutsche Grand-Départ-Bewerbung international intensiv eingeordnet und geprüft wird. Mit seiner Erfahrung und Vernetzung bringt Rudolf Scharping zusätzliche Klarheit und Stabilität in die Organisationsstruktur des Projekts.
Dabei geht es nicht um personelle Symbolik, sondern um Verlässlichkeit, Zuständigkeit und die professionelle Anbindung an nationale und internationale Radsportakteure.
Einordnung
Mit der formalen Berufung von Rudolf Scharping in den Vorstand wird die personelle und institutionelle Basis der deutschen Grand-Départ-Bewerbung weiter gestärkt. Die enge Verbindung zu den Radsportverbänden, die internationale Erfahrung und die gewachsenen Beziehungen zur Tour-Führung werden damit auch nach außen klar abgebildet.
Zum Jahresausklang kam Grand Départ 2030 e. V. im Rahmen einer vereinsbezogenen Veranstaltung zusammen. Die Weihnachtsfeier bot Raum für Begegnung, Austausch und Vernetzung.
Ein besonderer Dank gilt Rothai, die diese Veranstaltung als Gastgeber ermöglicht haben. Mit großer Offenheit und Gastfreundschaft wurde ein Umfeld geschaffen, in dem Gespräche entstehen konnten – auf lokaler Ebene, persönlich und verbindlich.
Im Mittelpunkt standen der Austausch und die Vernetzung. Mitglieder, Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Gäste aus dem lokalen Umfeld kamen miteinander ins Gespräch, knüpften Kontakte und teilten Perspektiven rund um Sport, Region und gesellschaftliches Engagement.
Besonders wertvoll waren die Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen, die als interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer Teil der Veranstaltung waren. Ihre Fragen, ihre Neugier und ihre Begeisterung für den Radsport zeigten, wie wichtig die Ansprache der nächsten Generation für die nachhaltige Vereinsarbeit ist.
Der Abend zeigte, wie breit das Projekt Grand Départ in Mitteldeutschland bereits getragen wird – von einem gewachsenen Netzwerk aus lokalen Akteuren, Unterstützern und Interessierten. Ein Netzwerk, das weiter wachsen darf und das für den gemeinsamen Weg in den kommenden Jahren unverzichtbar sein wird.
Der Weg zum Grand Départ 2030
Mit einem klaren Votum im Sächsischen Landtag und der geschlossenen Unterstützung des deutschen Radsports nimmt die Vision des Grand Départ 2030 immer konkretere Formen an.
Im Podcast „Zwischenrufe“ (Folge #116) spricht Andreas Prokop, Vorstand des Grand Départ 2030 e. V., mit Moderator und parlamentarischem Geschäftsführer Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag Valentin Lippmann über politische Signale, internationale Begegnungen und den langen Weg bis zur Entscheidung.
Die Folge zeichnet ein lebendiges Bild der bisherigen Etappen – vom ersten politischen Rückenwind über die Gespräche im Pariser Hauptquartier der Tour de France bis hin zu den wirtschaftlichen Perspektiven für Mitteldeutschland.
Politische Rückendeckung und sportliche Geschlossenheit
Die Abstimmung im Juni war ein wichtiger Meilenstein. Der Sächsische Landtag sprach sich mit großer Mehrheit für das Projekt aus. Nur wenige Enthaltungen, keine Gegenstimme – ein deutliches Zeichen für die gemeinsame Idee. Auch der Bund Deutscher Radfahrer stellte sich hinter die Bewerbung. Das Votum, initiiert durch Ehrenpräsident Rudolf Scharping, öffnete den direkten Weg zur Tour-Organisation A.S.O. in Paris.
Von Mitteldeutschland nach Paris
Im Sommer reiste eine Delegation des Vereins zur Tour de France, um zwei Etappen vor Ort zu verfolgen und Gespräche im Hauptquartier der A.S.O. zu führen.
„Wir sind mit offenen Armen empfangen worden“, berichtet Prokop. „Frankreich bringt unserer Region eine große Wertschätzung entgegen, gerade für die Aufbauleistung nach der Wiedervereinigung.“
Auch der französische Botschafter in Deutschland sprach sich ausdrücklich für die Bewerbung aus. Tour-Direktor Christian Prudhomme zeigte ungewöhnlich klare Unterstützung und verwies auf die symbolische Bedeutung eines möglichen Tour-Starts in Ostdeutschland. Für ihn knüpft das Projekt an den Geist von 1987 an, als der Tour-Beginn in West-Berlin ein Zeichen für Öffnung und Veränderung setzte.
Einheit in Bewegung
Der Grand Départ 2030 soll mehr sein als ein sportliches Großereignis. Er steht für 40 Jahre Deutsche Einheit und für die europäische Idee von Zusammenhalt und Bewegung.
Die vorgeschlagene Streckenführung führt von Dresden nach Jena, von Erfurt nach Magdeburg und im Einzelzeitfahren von Halle nach Leipzig. Jede Etappe verbindet Orte, die für Wandel, Aufbruch und Geschichte stehen.
„Wir haben den Wunsch, etwas Bleibendes zu schaffen“, sagt Prokop. „Unser Ziel ist nicht nur ein Tour-Start, sondern ein dauerhaftes Radsportfest, das jedes Jahr Menschen bewegt und die Region stärkt.“
Wir wollen etwas Bleibendes schaffen
Wirtschaftliche Perspektiven
Ein Grand Départ bringt internationale Aufmerksamkeit und große wirtschaftliche Effekte. Rund 2.500 Personen reisen im Tour-Tross, begleitet von 2.000 Medienschaffenden und einer globalen TV-Reichweite von 3,5 Milliarden Zuschauerinnen und Zuschauern. Hotels, Gastronomie und Einzelhandel profitieren unmittelbar.
„Jeder investierte Euro wird am Ende zehn- bis fünfzehnfach in die Region zurückfließen“, erklärt Prokop. Neben wirtschaftlicher Dynamik gehe es aber auch um Begeisterung und Identifikation. „Der Grand Départ kann zeigen, was Mitteldeutschland ausmacht: Gemeinschaft, Tatkraft und die Freude am Radsport.“
Blick nach vorn
Ende Oktober wird das Team zur offiziellen Tour-Präsentation reisen. Dort werden die Etappen der kommenden Austragungen vorgestellt und erste Gespräche fortgesetzt.
Eine endgültige Entscheidung über den Austragungsort fällt frühestens zwei Jahre vor dem Start – also 2027 oder 2028. Bis dahin bleibt noch viel zu tun. Doch der Weg ist geebnet.



